Reihe „Schätze der Rauenberger Kirchengemeinde - Erbe unserer Ahnen“

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01.12.11: Die Lourdesgrotte im Gewann Dreispitz
Diese Woche möchten wir Ihnen die Lourdeskapelle vorstellen. Ihre genaue Lage ist B: 49° 15' 39 Nord und L: 8° 41' 39 Ost in 179,8m über dem Meeresspiegel und somit liegt die Kapelle über der Michaelskapelle. Auch von hier aus genießt man - wie schon bei den beiden anderen Kapellen - einen wunderbaren Panoramablick in die Rheinebene.

Dr. Dieter Wagner recherchierte für uns bis ins 1700 Jahrhundert zurück und fand eine sehr interessante Geschichte zur Kapelle.

Die Lourdeskapelle

Lourdesgrotte

Geht man auf der Kreisstraße in Richtung Malschenberg an der ehemaligen Kelterhalle der einstigen Winzergenossenschaft Rauenberg vorbei und biegt nach links in den Weg zum Galgenberg ab, gelangt man auf halber Höhe zur Lourdeskapelle, die auf der rechten Seite von vier Akazienbäumen und Büschen umgeben seit über 110 Jahren steht.

Die Lourdeskapelle, die im Gewann „Dreispitz“ liegt, hat einen Vorgänger. Über 170 Jahre befand sich nämlich an dieser Stelle, an der es in früherer Zeit eine Weggabelung gab, ein hölzernes Kreuz. In dem vom Bischof von Speyer Kardinal Damian Hugo von Schönborn angeforderten und von der politischen Gemeinde angefertigten Verzeichnis der auf der Rauenberger Gemarkung stehenden Kapellen, Bildstöcke und Kreuze aus dem Jahr 1743 wird der Stifter des Holzkreuzes namentlich genannt. Es heißt dort: „Ein hültzernes Creutz stehet auff dem weeg geg(en) malsch unden an den 3 spitzen weingarten der Stifter Jacob moser seel(ig) hat solges zu der intention aufrichten lassen (daß) wie gemelt bey obigen processionen Ein h(eiliges) Evang(elium) abgesungen wirt hat Keine Stiftung“. Der Stifter des Holzkreuzes war also Jakob Moser. Er lebte von 1650 bis 1738 und war Küfermeister, Wirt des Gasthauses „Zum weißen Lamm“ und Mitglied des Ortsgerichts, das damals aus dem Schultheiß, dem Anwalt und sieben Gerichtspersonen bestand. Da Jakob Moser 1738 im Alter von 88 Jahren gestorben ist, kann man annehmen, dass das Holzkreuz etliche Jahre vor seinem Tod errichtet worden ist. Der Satz am Ende des zitierten Textes: „Hat keine Stiftung“ besagt, dass außer dem Aufwand für die Errichtung des Holzkreuzes kein weiterer Betrag zur Erhaltung und Pflege des Kreuzes gestiftet worden ist. Dieses von Jakob Moser gestiftete Holzkreuz, die von Michael Weisskapp vor 1719 gestiftete St. Michaelskapelle, die am Beginn der heutigen St.-Michael-Str. stand, 1953 abgerissen und durch einen größeren und stattlicheren Bau auf dem Mannaberg neu errichtet wurde, das von Peter Leyer 1714 gestiftete Steinkreuz, das ursprünglich im Gewann „Keil“ stand und später im Zuge der Flurbereinigung an den Langgewannweg im Gewann „Steinklamm“ versetzt wurde, sowie das von Martin Reinhard gestiftete Holzkreuz, das am Sträßel im Gewann „Zinsäcker“ an der Stelle stand, an der sich jetzt das 1763 von Jakob Weisskapp und seiner Ehefrau Catharina gestiftete Steinkreuz befindet, sind alle, wie aus dem Verzeichnis der auf der Rauenberger Gemarkung stehenden Kapellen, Bildstöcke und Kreuze aus dem Jahr 1743 hervorgeht, zu dem Zweck gestiftet worden, dass an der St. Michaelskapelle und den drei Flurkreuzen bei den Feldprozessionen am Tag der Kreuzfindung, das ist der 3. Mai, und am Hagelfeiertag jeweils Station gemacht und ein Evangelium gesungen werden sollte.

Die Hagelfeier oder Schauerfeier war ein Bittgottesdienst und eine Flurprozession am 26. Juni, dem Tag der „Wetterherren“ Johannes und Paul, zum Schutz der Felder und Weinberge vor Hagelschlag. Da der Zweck der Stiftung, die bei der St. Michaelskapelle genannt wird, auch für die drei genannten Flurkreuze gilt, lässt sich auch die Reihenfolge der vier Stationen der jährlichen Flurprozessionen feststellen, die wie bereits erwähnt am 3. Mai und am 26. Juni stattfanden. Die Flurprozessionen begannen nach einem Gottesdienst am frühen Morgen mit einem feierlichen Auszug aus der Kirche. Die Gläubigen sangen unterwegs Lieder und beteten Litaneien und den Rosenkranz. An den vier Stationen, an denen haltgemacht wurde, wurden von dem Pfarrer jeweils ein Evangelium nach den vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes und danach verschiedene Orationen gesungen und der Wettersegen erteilt. Die Flurprozessionen nahmen im 18. Jahrhundert und traditionell auch in den folgenden Jahrhunderten folgenden Verlauf: Die Prozession begann an der Pfarrkirche (heute katholisches Pfarrzentrum) und ging zunächst in die Weinberge zum Holzkreuz am Weg nach Malsch im Gewann „Dreispitz“ (heute Lourdeskapelle), wo die erste Station abgehalten wurde. Von dort verlief der Prozessionsweg weiter durch die Weinberge zum Steinkreuz an der Wegkreuzung im Gewann „In der jungen Keil“ (heute Gewann „Keil“), wo zur zweiten Station haltgemacht wurde. Nun ging es aus den Weinbergen hinaus in das Ackerfeld der „Frauweiler Flur“ zurdritten Station am Holzkreuz am Sträßel im Gewann „Zinsäcker“ (heute das 1763 von Jakob Weisskapp und seiner Ehefrau Catharina gestiftete Steinkreuz). Von dort führte der Prozessionsweg ins Ackerfeld der „Mittlen Flur“ zur vierten Station, die an der St. Michaelskapelle (heute Beginn der St.-Michael-Str.) stattfand. Anschließend ging es zurück zur Pfarrkirche, in der die Flurprozession endete.

Das von Jakob Moser an einer Weggabelung im Gewann „Dreispitz“ gestiftete Holzkreuz wurde nach über 170 Jahren von einer von Ignatz Menges 1897 gestifteten Lourdeskapelle ersetzt. Ignatz Menges stammte aus Rotenberg. Sein Ururgroßvater Jakob Menges, der von 1658 bis 1721 lebte, war der Erbauer des über Rotenberg hinaus bekannten Fachwerkgiebelhauses mit den schönen bemalten bäuerlichen Schnitzereien von 1713 an der Schloßstraße. Ignatz Menges war Landwirt und lebte von 1828 bis 1899. 1856 hatte er in Rauenberg Maria Rosa Bellemann geheiratet. Lourdeskapellen, meist „Lourdesgrotten“ genannt, sind Nachbildungen der Höhle von Massabielle bei Lourdes in Südfrankreich, in der 1858 dem 14-jährigen Hirtenmädchen Bernadette Soubirous die Muttergottes mehrere Male erschienen sein soll. Lourdesgrotten wurden besonders gegen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts in Kirchen, auf Kirchhöfen oder an einer Wegkreuzung, am Feldrand oder im Wald erbaut. Die Verehrung der Bernadette nach ihrem Tod, die 1866 in das Kloster Saint-Gilhard der Barmherzigen Schwestern in Nevers eingetreten war und 1879 im Alter von 35 Jahren gestorben war, führte zur Entwicklung von Lourdes zu einem der bedeutendsten europäischen und weltweit meistbesuchten Wallfahrtsorte. Von Papst Pius XI. wurde Bernadette, deren Leichnam unversehrt blieb, 1925 selig und 1933 heilig gesprochen. Ihr Gedenktag ist der 16. April.

Lourdesgrotte Lourdesgrotte

Die Lourdeskapelle im Gewann „Dreispitz“ besteht aus einem 2,40 m breiten, 2,00 m tiefen und 2,80 m hohen Kapellenraum, der auf der Rückseite teilweise in den dortigen Hang hineingebaut ist, und aus einem 2, 85 m breiten, 1,90 m tiefen und 3,30 m hohen nach drei Seiten offenen Vorraum, der durch ein 1,35 m hohes schmiedeeisernes Gitter vom Kapellenraum abgetrennt wird. Das ca. 4,00 m lange mit Bitumenziegeln gedeckte einmal geknickte Dach ruht auf den Mauern des Kapellenraums und auf zwei Holzpfosten des Vorraums. Früher war der Vorraum nach allen Seiten offen und besaß ein bogenförmiges Blechdach. Im Innern des Kapellenraums sind die nach außen gebogene Rückwand und die Seitenwände bis zur halben Höhe mit Steinen aus einer Tropfsteinhöhle ausgekleidet. Der obere Teil der Seitenwände und die bogenförmige Decke sind mit einem weiß gestrichenen Zupfputz versehen. Die ebenfalls bogenförmige Decke und die rechte Seite des Vorraums sind mit braun gestrichenen Holzbrettern verkleidet. An der rechten Seite befindet sich eine mit gelben Sandsteinen gemauerte Sitzgelegenheit. Der Boden ist betoniert.

Im Innern des Kapellenraums steht etwas erhöht an der Rückwand eine Statue der Muttergottes mit gefalteten Händen, die, wie sie die hl. Bernadette nach ihrer ersten Vision beschrieben hat, ein weißes Kleid, einen blauen Gürtel und eine goldene Rose in der Farbe ihres Rosenkranzes auf jedem Fuß trägt. Links unten steht der Muttergottes zugewandt den Rosenkranz in den gefalteten Händen eine Statue der hl. Bernadette, bekleidet mit einem langen braunen Kleid, einem grünen Schulterumhang, einer blauen Schürze und einem weißen Schleier. Im Kapellenraum sind mehrere steinerne Täfelchen meist mit der Inschrift „Maria hat geholfen“ von Gläubigen angebracht worden, die bei der Muttergottes Trost und Hilfe gefunden haben. Vor dem Eisengitter steht ein schmiedeeiserner Kerzenständer für die Besucher der Lourdeskapelle, die Kerzen opfern und bei Not und anderen Anliegen Glück und Gesundheit für sich und ihre Angehörigen erflehen.

Die Lourdeskapelle wurde seit ihrer Erbauung mehrmals innen und außen renoviert. Bei der letzten Renovierung wurde das am Deckenbogen des Kapellenraums angebrachte metallene Band mit der Inschrift „Ich bin die unbefleckte Empfängnis“ entfernt. So soll nämlich die weiß gekleidete Dame beim 16. Treffen der hl. Bernadette auf die Frage, wer sie sei, geantwortet haben.

Es bleibt zu wünschen, dass die inmitten der herrlichen Reblandschaft im Gewann „Dreispitz“ eingebettete nahezu täglich besuchte Lourdeskapelle nach über 110 Jahren ihrer Erbauung weiterhin ein Zeugnis des Glaubens, ein Ort des Gebets und eine Stätte der Begegnung bleiben möge.

Dr. Dieter Wagner
Die nächste Woche werden wir Ihnen die Paten der Lourdeskapelle vorstellen.
Wir wünschen Ihnen eine gesegnete und friedvolle Adventswoche
Ihr Förderverein Kirche St. Peter u. Paul.

08.12.11: Die Lourdesgrotte im Gewann Dreispitz

Wie wir aus der historischen Geschichte wissen liegt die Entstehung der Kapelle um das Jahr 1743. Da wurde durch eine Spende ein Wegkreuz erstellt. In all den folgenden 268 Jahren haben sich Menschen gefunden, die ehrenamtlich dieses Vermächtnis beschützten, erneuerten und für die Zukunft erhielten. Daran hat sich bis heute Nichts geändert.

Über viele Jahre hat sich Herr Franz Rudolf Stier mit seiner Frau Gerda, liebevoll, still und leise, um die Kapelle gekümmert.

Sehr geehrte Familie Stier, Sie haben sich über viele Jahre in die Reihe der Helfer eingereiht und es möglich gemacht, dass wir diesen Kirchenschatz weitergeben können.

Ein herzliches Dankeschön und „ Vergelt`s Gott “.

Seit letztem Jahr haben Edith Schwab und Elisabeth Rachel ihr Herz an die Lourdeskapelle verloren. Beide sind auf vielfältige Weise in unserer Kirchengemeinde aktiv.

Lourdesgrotte Lourdesgrotte

Auf die Frage was sie bewog, die Patenschaft für die Lourdeskapelle zu übernehmen mussten beide nicht lange nachdenken. Für Frau Rachel ist es eine Herzensangelegenheit. Durch ihren Glauben ist die Verehrung der Mutter Gottes ihr besonders wichtig. Das weitergeben von Traditionen und der Erhalt von Kapellen an unsere Kinder und Enkel sieht Frau Rachel als eine wichtige Aufgabe an.

Frau Schwab wurde von Herrn Pfarrer Maiba bei einer Begegnung um die Kirche angesprochen. Auch ihr viel die Entscheidung, die Patenschaft für die Kapelle zu übernehmen, leicht. Orte der Ruhe und des Trostes sind in unserer schnelllebigen und hektischen Zeit sehr wichtig. Solche Orte zu Erhalten und zu pflegen ist eine schöne Aufgabe. Und die Arbeit mit „Lisabeth“ zu teilen verdoppelt die Freude.

Als sie das Ehrenamt antraten, waren beide sehr überrascht, wie sehr die Kapelle von Menschen besucht wird. Dies zeigt sich durch die vielen Kerzen und die kleinen Sträußchen von Feldblumen, die immer wieder niedergelegt werden. Sie haben die Lourdesgrotte noch nie ohne brennende Kerzen vorgefunden. Dies ist eine große Motivation sich um die Kapelle zu kümmern.

Auf die Frage was sie sich für die Kapelle in Zukunft wünschen sagen beide spontan:
1. Die Loudeskapelle sollte auch weiterhin eine Anlaufstelle für viele Gläubigen oder Menschen in Not sein
2. Andachten zur Marienverehrung sollten auch in Zukunft erhalten bleiben – auch die Lichterprozession im Oktober
3. Menschen, die Rast an der Kapelle machen, sollten ihre mitgebrachten „Utensilien“ aller Art wieder mitnehmen.

Da die Muttergottesstatue und die Statue der Hl. Bernadette über die Jahre gelitten haben, gehen beide Figuren abwechseln in eine „Winter-Auffrischungs-Kur“. Edith Schwab wird die Figuren zum Fachmann für Restaurierungen Rolf Sautner in Rauenberg bringen.

Wenn eine Figur aus der Kapelle entfernt wird, werden wir einen Hinweis an der Kapelle anbringen, damit sich niemand um die Figuren sorgen muss.

Im Laufe des Frühjahrs wurde auf Initiative der Patinnen die Kapelle frisch gestrichen. Sie konnten die Firma Bruno Knopf Malerbetrieb aus Rauenberg gewinnen den Innenraum und die Holzteile neu zu streichen. Die Malerarbeiten wurden ehrenamtlich ausgeführt.

Der Förderverein Kirche St. Peter und Paul möchte auf diesem Wege beiden Damen „Vergelt´s Gott“ und Danke für die Bereitschaft das Patenamt zu übernehmen und Ihr Engagement für den Erhalt der Kapelle sagen. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude und viele angenehme Begegnungen bei der Pflege der Lourdesgrotte.

Auch einen herzlichen DANK an Firma Bruno Knopf, die sich immer wieder ansprechen lässt und uns tatkräftig unterstützt.

Lourdesgrotte Lourdesgrotte

Wenn es Ihre Zeit erlaubt, möchten wir Sie einladen unsere Internetseite www.kath-kirche-rauenberg.de zu besuchen. Sie finden täglich einen Impuls zur Adventszeit und viele interessante Berichte aus den kirchlichen Gruppen und Vereinen

Eine frohe und gesegnete Adventszeit
Wünscht Ihnen vom ganzen Herzen
Ihr Förderverein Kirche St. Peter u. Paul Rauenberg